Kulturlandschaftspreis 2024 verliehen

Der Schwäbische Heimatbund in Stuttgart hat den Kulturlandschaftspreis 2024 verliehen. Die Initiatoren zeichnen damit Bürgerengagement zwischen Weinberg, Heide und Streuobstwiese aus.

Besonders erfreulich aus Sicht der Weinheimat Württemberg: Das Steillagenkollektiv der Lembergerland Kellerei Rosswag ist auch unter den Preisträgern. Die Genossenschaft war für das Projekt erst vor Kurzem mit dem Preis für nachhaltiges Heimatengagement des Bundesministeriums des Innern und für Heimat sowie des Bundes Heimat und Umwelt in Deutschland (BHU) ausgezeichnet worden war – wir berichteten hier.

Foto: Lembergerland

Um die zukunftsfähige Entwicklung der steilen Terrassen-Weinberglandschaft geht es der Lembergerland Kellerei Rosswag mit dem „Steillagenkollektiv“. Unter dem Titel „Steillagenkollektiv“ hat die Lembergerland Kellerei ein neuartiges Solidaritätsmodell für die Steillagen im mittleren Enztal ins Laufen gebracht. Den Teilnehmenden winken ein Namensschild an der „eigenen“ Weinbergterrasse. Sie werden zu Begehungen und der Traubenlese eingeladen und erhalten eine flüssige Dividende. Ein jährlicher Solidaritätsbeitrag von 365 Euro macht es möglich. Schon über 400 begeisterte Botschafter konnten so für die Steillagen gewonnen werden. Und damit die nachhaltige und naturnahe Bewirtschaftung des Steillagenweinbaus vorangebracht.

Freude auch bei den Weingärtnern Markelsheim

Und gleich noch eine Württemberger Weingärtnergenossenschaft darf feiern. Genau genommen eines ihrer Mitglieder: Conny Lehr vom Jakobshof. Auch über Conny haben wir im Weinheimat Blog schon mehrfach berichtet, und zwar hier und hier. Für ihr Projekt „Jakobs Stubenmusik“ gab es einen der drei Sonderpreise »Kleindenkmale« 2024.

Ausgezeichnet wurde hiermit ihr Projekt „Jakobs Stubenmusik“. Eigentlich haben die vier Schwestern von Jakobs Stubenmusik genug zu tun in ihrer Freizeit. Und zwar mit dem gemeinsamen Schreiben und Singen von Liedern im Markelsheimer Dialekt bei verschiedensten Anlässen. Doch auch für ganz andere kulturelle Kleinodien engagieren sie sich ehrenamtlich seit 10 Jahren auf der Gemarkung ihres Heimatortes. Mit eigener Arbeit, aber auch indem sie Fachleute beauftragten und finanzierten, haben sie Bildstöcke und Figuren saniert und gesichert. Und auch an geeigneter Stelle selbst neu erstellt und in bestehende örtliche Traditionen eingebunden.

Foto: Jutta Michler

Ein Blick auf die weiteren Preisträger

Lasst uns noch einen Blick auf die weiteren Ausgezeichneten werfen. Starten wir zunächst mit dem Hauptpreis, dem Kulturlandschaftspreis 2024 selbst.

Mit einem beispielhaften Pilotprojekt hat sich der Obst- und Gartenbauverein in Dürrn zum Ziel gesetzt, den Mistelbefall einzudämmen. Denn: Die Mistel hat sich explosionsartig vermehrt. Und damit ist mit diesem pflanzlichen Parasit dem Streuobstanbau im Land eine neue Bedrohung erwachsen. Mit einem beispielhaften Pilotprojekt hat sich der Obst- und Gartenbauverein Dürrn e.V. das Ziel gesetzt, den Mistelbefall flächenhaft einzudämmen. Sie tun dies auf den benachbarten Gemeindemarkungen Dürrn und Ölbronn. Das beispielhafte Vorgehen ist in dieser Größenordnung bisher einmalig im Land und zukunftsweisend.

Streuobstwiesen und magere Heckenlandschaften können als Weideland für Milchvieh geeignet und sogar wirtschaftlich sein. Dies belegt das Projekt von Barbara und Wilfried Tertel auf ihrem Hof am Sächlesberg in Satteldorf (Kreis Schwäbisch-Hall). Sie sichern eine traditionelle überaus artenreiche Kulturlandschaft und produzieren mit 80 gesunden Kühen überdies Milch für die örtliche Käserei. Dies tun sie mit einem fein ausdifferenzierten Weidemanagement. Und natürlich dem Vertrauen von etwa 30 beteiligten Bauern und Grundstückseignern sowie in Abstimmung mit Naturschutz und Landwirtschaft

 

 

Mit Wanderschäferei hat er gar nichts zu tun, der „Kerner Schafwanderweg“ in Kernen im Remstal. Auf ihm wandern nämlich die Menschen zu den Schafen. Letztere sorgen auf den Streuobstwiesen des Remstales dafür, dass keine Rasenmäher zum Ensatz kommen. Statt dessen wachsen artenreiche, bunte Wiesen. Mit viel Liebe zur Kulturlandschaft leisten etwa 25 Ehrenamtliche die Arbeit mit den Tieren. Sie verbinden dies mit Führungen, verschiedensten Veranstaltungen und breiter Öffentlichkeitsarbeit zu Streuobstwiesen und Schäferei.

 

Und gleich noch mehr Schafe in Aktion

Die Schäferei Röhner bewirtschaftet im Grenzgebiet der Kreise Esslingen und Reutlingen, konkret in Lenningen-Gutenberg, Flächen von besonders hoher Artenvielfalt und Empfindlichkeit. Sie tut dies mit ihrem 300 ha großen Weidegebiet ausschließlich in Natur- und Wasserschutzgebieten. Vom Jusi in Kohlberg bis nach Schopfloch und Bad Urach reicht ihr Einzugsgebiet. Die beiden Herden mit Merinoschafen des Uracher Stadtschäfers sind dort Garant für behutsame Pflege besonders hochwertiger Flächen.

Und auch Pia und Rudolf Stöffler aus Epfendorf-Harthausen (Kreis Rottweil) wurden geehrt. Eingerahmt von Bannwald an einem Steilhang über der Schlichem gelegen, prägt eine kleine, aber imposante Wacholderheide im Eigentum des Hofguts Ramstein das NSG Unteres Schlichemtal. Obwohl schon einmal fast zugewachsen, wird sie nun seit langen Jahren in beispielhafter Weise vom Jungbauernpaar bewirtschaftet und vorbildlich gepflegt. Seit der Rodung des Strauchwuchses am Steilhang mähen sie jährlich im Frühjahr. Sie entfernen Alt- und Bruchholz, alles in Handarbeit. Und sie beweiden den Rest des Jahres mit ihrer kleinen Heidschnuckenherde.

 

Schwäbischer Heimatbund hebt beispielhaften Einsatz der Preisträger hervor

„Viele dieser historisch wie ökologisch besonders bedeutsamen Strukturen und Schönheiten unserer durch Bewirtschaftung entstandenen Landschaft würden ohne solch beispielhaften Einsatz verschwinden oder in Vergessenheit geraten“, betonte der Geschäftsführer des Schwäbischen Heimatbundes, Dr. Bernd Langner, bei der Bekanntgabe der Preisträger.

Jeder Hauptpreisträger erhält ein Preisgeld von 1.500 €, der Kleindenkmalpreis wird mit je 500 € belohnt. Die Preissumme wird von der Sparkassen-Finanzgruppe sowie der Sparkassenstiftung Umweltschutz zur Verfügung gestellt.

Überreicht werden die Auszeichnungen am 22. Oktober 2024 in Vaihingen/Enz im Rahmen einer öffentlichen Veranstaltung und unter Beteiligung des Ministeriums für Ländlichen Raum Baden-Württemberg. Ausführliche Informationen zu den aktuellen und allen bisherigen Preisträgern finden sich unter www.kulturlandschaftspreis.de.

Und jetzt noch ein Blick auf die weiteren mit dem Sonderpreis ausgezeichneten Initiativen

Drei zusätzliche Sonderpreise – wir sprachen ja oben schon davon – wurden an Kleindenkmal-Initiativen zwischen Tauber, Schönbuch und Oberem Neckar vergeben. Im Main-Tauber-Kreis, im Schönbuch südlich von Stuttgart sowie in Rottenburg am Neckar sind die drei Projekte beheimatet. Ihr beispielhaften Umgang mit Klein- und Flurdenkmalen unterschiedlichster Art ausgezeichnet werden. Überzeugend ist bei allen die Vermittlung ihres Tuns in die breite Öffentlichkeit auf vielfältige und spannende Weise.

Einen der drei Geehrten, nämlich den Jakobshof-Lehr in Bad-Mergentheim, haben wir Euch oben ja schon vorgestellt. Lasst uns auch noch auf die beiden Anderen schauen.

Die erste ist die Bürgerinitiative um Konrad Heydenreich und Karl Schittenhelm aus Weil im Schönbuch (Kreis Böblingen). Sie haben es verstanden, die etwa 200 Jahre alte und stark geschädigte Sandsteinbrücke „Klingenstäffelebrücke“ im Schönbuch in Handarbeit grundlegend zu erneuern bzw. zu restaurieren. Und dies mit Organisationstalent, Fachkunde und der Fähigkeit, kundige Mitstreiter zu gewinnen und zu begeistern. Durch Materialtransport per Schubkarre und Handarbeit konnten baubedingte Schäden an Wald oder Wegen vermieden werden.

Und die Bürgerstiftung Rottenburg, katholische Kirchengemeinde St. Moriz sowie Marinekameradschaft Rottenburg e.V.. Die Gruppe unter der Leitung von Ute Drews hat es seit 2015 verstanden, die konservierende und teils erneuernde Restaurierung eines neugotischen Kreuzweges mit 14 Stationen in schwierigem Gelände zu bewerkstelligen. Und dies mit bemerkenswerter Umsicht, Fachkunde und Begeisterungsfähigkeit. In einem weiteren Projekt wurde die Neugestaltung der Bildnischen über ein Wettbewerbsverfahren ermöglicht. Auf der Grundlage einer fachkundigen Schadensdokumentation mit Maßnahmenvorschlägen konnten wichtige Partner, Zuschussgeber und Helfer gewonnen werden.

Wer kann sich bewerben?

Wer sich in Württemberg, Hohenzollern und den angrenzenden Regionen um den Erhalt von Streuobstwiesen, Wacholderheiden, Trockenmauern und andere landschaftsprägenden Elemente kümmert, kann sich um den Kulturlandschaftspreis bewerben. Diesen loben der Schwäbische Heimatbund und die Sparkassen-Finanzgruppe Baden-Württemberg jährlich aus.

Titelbild: Ulrike Ratzel, Fotos im Text: Lembergerland, Jutta Michler, Archiv OGV Dürrn, Wilfried Tertel, Ulrike Ratzel, Christoph Röhner, Rudolf Stöffler, Konrad Heydenreich, Ute Drews.

Immer aktuell informiert über das Neueste aus der Weinheimat Württemberg – heute zum Kulturlandschaftspreis 2024 – im Weinheimat Blog.

Ihr findet uns außerdem auf Facebook und Instagram. Wir freuen uns über ein Like!

 


Jetzt teilen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Informationen zu Cookies und Analysetools

Um unsere Webseite für Sie optimal zu gestalten und fortlaufend verbessern zu können, verwenden wir Cookies. Mit Ihrer Bestätigung stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen zu Cookies erhalten Sie in unserer Datenschutzerklärung.